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Gundert 1832

 

 

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Gundert 1835

 

 

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Gundert 1846 mit Frau Julie

 

 

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Gundert 1859

 

 

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Gundert 1883

HERMANN HESSE über HERMANN GUNDERT

Hermann Hesse und Hermann Gundert hatten eine enge Bindung. Von seinem Großvater bekam Hermann Hesse die Begeisterung für andere Kulturen. Wie sehr Gundert seinem Enkel Indisches vermittelte, wird beim Lesen von Siddhartha deutlich: Hermann Hesse war selbst nie in Indien, aber auch Inder schätzen dieses Buch als "Kulturgut".

Seinen Großvater beschrieb Hermann Hesse:

„Er (der Großvater), der Alte, Ehrwürdige, Gewaltige, im weißen Bart, allwissend, mächtiger als Vater und Mutter, er war im Besitz noch ganz anderer Dinge und Mächte, sein war nicht nur das indische Götter- und Spielzeug, (...), er war auch ein Magier, ein Wissender, ein Weiser.
Er verstand alle Sprachen der Menschen, mehr als dreißig, vielleicht auch die der Götter, vielleicht auch der Sterne, (...), kannte die Gebetsübungen der Mohammedaner und der Buddhisten, obwohl er Christ war und an den dreieinigen Gott glaubte.“

Hermann Hesse: Kindheit des Zauberers, Frankfurt 1974, S. 99

Wie die beiden Hermänner zueinander standen, wird bei Hesses Beschreibung über die Reaktion seines Großvaters auf sein Entfliehen vom Seminar in Maulbronn deutlich

(bitte Hermann Gundert anklicken)

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Durch Gunderts Enkel Hermann Hesse (1877-1962) lebt die Tradition der Familie zu einem guten Teil in der Literatur weiter – sowohl im Deutschen als auch in vielen Sprachen der Welt, in denen Hesses Werke übersetzt vorliegen. Hesse widmete seinem Großvater literarische Denkmäler: In seinen Schriften Großväterliches und Kindheit des Zauberers wird Gundert direkt beschrieben; in Siddhartha lebt er als Fährmann „Vasudeva“ sowie im Glasperlenspiel als „Musikmeister“ weiter.

 


 

INTERESSE AN GUNDERT? GUNDERT-JUBILÄUMSBAND!

Hermann Gundert war Brückenbauer zwischen Nationen, Bevölkerungsschichten, Religionen. Unter Indern ist Gundert bis heute beliebt und viel zitiert. So sagen Keralesen, wenn sie etwas nicht wissen: "Schlag's im Gundert nach."

Hermann Gundert ist ein Musterbeispiel, wie Migration und ein fruchtbares Zusammenleben auch unter nach außen gegensätzlich erscheinenden Gruppen möglich ist. Was seine Persönlichkeit ausmacht, hat bis heute an Aktualität nichts verloren und kann im neu erschienenen Jubiläumsband nachgelesen werden. Im Hardcover finden sich u.a. Referate des Gundert-Hesse-Seminars vom Mai 2014 in Calw sowie Bilder von Ausstellungen zu Hermann Gundert. Die Stadt Calw hatte 2014 zum Gundert-Jahr erkoren und neben Seminar und Ausstellungen einen weiteren bunten Stauß an Veranstaltungen durchgeführt.

Der Jubiläumsband kann bestellt werden über info (at) gundert.org oder über die Geschäftsstelle der HGG [Einzelpreis 15,-€; HGG-Mitglieder 12,-€ zzgl. Versand].

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HERMANN GUNDERTS LEBEN

Hermann Gundert (* 4. Februar 1814 in Stuttgart, † 25. April 1893 in Calw) war Historiker, Lehrer, Missionar, Sprachwissenschaftler, Schriftsteller und Verleger. Er erwarb sich große Verdienste für die Erforschung der südindischen Malayalam-Sprache und die Erschließung der Geschichte Keralas, ebenso für die Einführung des modernen Schulwesens, das schließlich zum Neu-Malayalam führte. Kerala ist heute das Bundesland Indiens mit der höchsten Alphabetisierungsrate.

Gundert brachte nicht nur eine solide klassische Bildung, sondern auch seine Erfahrung, die er in Tamilnadu, Andhra Pradesh und Karnataka gemacht hatte, mit nach Kerala. Dort genießt er heute große Anerkennung. Das rührt von seiner bahnbrechenden Leistung im Malayalam her und hängt zusammen mit seiner Gabe, allen Menschen als Mensch zu begegnen, dem Tagelöhner wie dem Besitzer, dem Christen wie dem Muslim und Hindu, dem Einheimischen wie dem Fremden. Allen hörte er zu, sprach mit ihnen, nahm vieles von ihnen an und wirkte weithin als Mediator.

Als erster Schulinspektor für Malabar und Kanara beeinflusste Gundert den Aufbau des modernen Schulsystems von der Grundschule bis hin zur universitären Ausbildung in einem Gebiet, das sich etwa 600 km von Kozhikode im Süden über Mangalore bis Hubli im Norden erstreckte und von Thalassery ca. 100 km ins Landesinnere bis nach Manantavadi in den Wynad-Berge reichte.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1859 war Gundert in Calw zunächst Mitarbeiter im Calwer Verlag und ab 1862 dessen Leiter. Von namhaften Autoren edierte Gundert einschlägige historische Werke und Kommentare zum Alten und Neuen Testament oder verfasste sie selbst. Jahrelang publizierte er gleichzeitig fünf Zeitschriften und schrieb dafür selbst hunderte Artikel, ohne – in der Regel – seine Autorenschaft preiszugeben.  Bei Vorträgen im ganzen Land und auf internationalen Missionskonferenzen brachte er sein umfassendes Wissen ein und belebte die weltweite Diskussion zur Verständigung zwischen den Völkern und Religionen.

In Thalassery hat man ihm daher an der Gundert Road im Gundert Park mit einer 4½ m hohen Statue auf einem 6½ m hohen Sockel ein Denkmal gesetzt. Im Kerala-Museum in Ernakulam hat Gundert einen festen Platz unter den Persönlichkeiten, die Entscheidendes für das Land leisteten. Zahlreiche Schulen, Colleges und Universitäten widmen ihm regelmäßig Gedenkvorlesungen und halten die Erinnerung durch Büsten, Bilder und entsprechende Namensgebungen wach.

Eine wichtige Rolle in Gunderts Leben und Werk spielt seine aus der französischen Schweiz stammende Frau Julie geb. Dubois, die er im Juli 1838 in Chittoor (heute in Andhra Pradesh) geheiratet hatte. Sie war nicht nur die erste Missionarsfrau der Basler Mission in Indien, sondern gründete auch die ersten „Mädchen-Institute“ (Mädchenschulen mit Heim) in Mangalore, in Thalassery und in Chirakkal bei Kannur. Aus diesen Schulen gingen gut ausgebildete und im evangelischen Glauben unterwiesene Frauen hervor, die zu großen Stützen der neuen Gemeinden wurden.

In Kerala und zunehmend auch in Deutschland erfährt Hermann Gundert an Bedeutung. Anlässlich seines hundertsten Todesjahres fanden 1993 Seminare in Calw und die Hermann-Gundert-Konferenz in Stuttgart unter großer indischer Beteiligung statt. Die Malayalam-Forschung sowie der Bekanntheitsgrad Gunderts erfuhren dadurch in Indien und Europa neuen Auftrieb.

Anlässlich des 200. Geburtstags von Gundert erklärte die Hermann-Hesse-Stadt Calw das Jahr 2014 zum Gundert-Jahr. Verschiedene Einrichtungen in der Stadt veranstalteten in Zusammenarbeit mit der Hermann-Gundert-Gesellschaft Feiern, Vorträge, Ausstellungen, Schulprogramme, Seminare und einen Gundert-Familientag.

 


 

GUNDERT-LEHRSTUHL IM OKT. 2015 ERÖFFNET

Hermann Gundert hat an Aktualität nichts verloren. Zu seinen Ehren hat die Universität Tübingen zusammen mit der Thunchath Ezhuthachan Malayalam University in Tirur einen "Gundert-Chair" eröffnet. In jedem Semester hält ein indischer Gastdozent aus Kerala Kurse in der Malayalam-Sprache sowie über die Literatur, Geschichte und Kultur Keralas ab. Der erste Lehrstuhlinhalber, Prof. Dr. Scaria Zacharia, veröffentlichte zahlreiche Werke zu Hermann Gundert. Ein aktuelles Projekt der Zusammenarbeit der genannten Universitäten sieht die Digitalisierung der Schriften und Werke Gunderts vor, welche über das Internet allen Nutzern zugänglich gemacht werden sollen.

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LEBENSDATEN von HERMANN GUNDERT

4.2.1814

 

Geboren in Stuttgart

Oktober 1819

 

Eintritt in das Stuttgarter Gymnasium

18.10.1827

 

Eintritt in das Seminar Maulbronn

24.10.1831

 

Eintritt in das Evangelische Stift Tübingen

September 1835

 

Promotion (Dr. phil.) und 1. theol. Examen

2.10.1835

 

Abreise von Stuttgart

10.10.1835

 

Ankunft in London

1.4.1836

 

Abreise von Milford Haven

8.7.1836

 

Ankunft in Chennai (damals Madras)

5.8.1836

 

Abreise nach Sinduponturei, Tirunelveli

10.3.1837

 

Abreise von Sinduponturei

31.3.1837

 

Ankunft in Chennai

1.5.1837

 

Ankunft in Chittoor (heute Andhra Pradesh)

23.7.1838

 

Gundert heiratet Julie geb. Dubois aus Corcelles

30.7.1838

 

Reise des Paares nach Palayamkottai

2.11.1838

 

Ankunft in Mangalur

12.4.1839

 

Ankunft auf dem Hügel Illikkunnu bei Thalassery

18.4.1839

 

Sohn Hermann geboren

14.5.1839

 

Eröffnung der Malayalam-Schule

19.6.1839

 

Malayalam-Grammatik (Formenlehre) fertig

26.10.1839

 

Umzug ins Basarviertel Thalassery

15.11.1839

 

Malayalam-Grammatik (Syntax) fertig

19.4.1840

 

Erste Taufe in Thalassery (zwei einheimische Frauen)

4.8.1840

 

Sohn Samuel geboren

23.8.1840

 

Erste Taufe in Anjarakandy (sechs Personen)

18.9.1840

 

Erster Bibeltraktat, Itihasa (Genesis 1-11)

14.9.1841

 

Sohn Ludwig Friedrich geboren (gest. 7.1.1844)

4.12.1841

 

Umzug zurück auf den Hügel Illikkunnu

11.10.-2.11.1841

 

Reise mit Flora Brennen nach Udhagamandalam

31.3.1842

 

Erster Druck auf der lithografischen Presse (Illikkunnu)

18.10.1842

 

Tochter Marie geboren

3.8.1843

 

Keralolpatti, „Urgeschichte Keralas“, fertiggestellt

1.-18.11.1843

 

Kottayam-Reise

5.-13.2.1844

 

Reise nach Manantavadi

26.12.1844

 

Tochter Christiane geboren (gest. 5.3.1848)

21.11.45-28.2.1847

 

Heimaturlaub

7.3.1847

 

Sohn Ludwig Friedrich geboren

1847

 

Raajya Samaachaaram, Paschimodayam erschienen

29.1.1849

 

Sohn Paul geboren

5.4.1849

 

Anjarakandy wird Filiale der Station Kannur

16.5.1849

 

Umzug nach Chirakkal

Juni 49-Mai 1852

 

Bronchialerkrankung: die „stumme Zeit“

4.4.1850

 

Malayalam-Schulgrammatik begonnen

9.10.1850

 

Sohn David geboren

26.2.-4.10.1851

 

Aufenthalt auf den Nilgiris: Übersetzungen

14.-26.2.1853

 

Coorg- (Kodagu-) Reise

11.7-22.8.1854

 

Reise nach Ketti auf den Nilgiris

13.2.1856

 

Umzug nach Mangalur

6.4.1857

 

Berufung zum Schulinspektor von Malabar und Kanara

30.10.1857

 

Umzug nach Kozhikode

10.1.1858

 

Tochter Marie wieder in Südindien

13.5-7.9.1858

 

Krankheitsaufenthalt auf den Nilgiris

Februar 1859

 

Entlassung als Schulinspektor

12.4.1859

 

Abreise von Kozhikode nach Europa

20.5.1859

 

Ankunft in Basel

18.4.1860

 

Ankunft in Calw

14.5.1860

 

Ankunft von Frau und Tochter Marie in Calw

Mai 1862

 

Ausreise von Sohn Hermann nach Amerika (USA)

17.11.1862

 

Leiter des Calwer Verlagsvereins

August 1863

 

Ausreise von Sohn Samuel als Missionar nach Malabar

September 1865

 

Ausreise von Tochter Marie nach Indien

 

 

Heirat mit Charles Isenberg (gest. 19.2.1870)

9.4.1867

 

A Malayalam and English Dictionary fertig

1868

 

Druck der Malayalam-Grammatik in Mangalur

22.2.1871

 

Sohn Paul gestorben

November 1872

 

Druck des A Malayalam and English Dictionary in Mangalore

4.12.1873

 

Ankunft von Johannes Hesse in Calw

22.11.1874

 

Heirat der Tochter Marie mit Johannes Hesse

18.9.1885

 

Tod von Julie Gundert in Calw

11.1.1893

 

Gunderts letzte Sitzung im Calwer Verlagsverein

25.4.1893

 

Tod von Hermann Gundert in Calw

 


 

LITERATUR

Frenz, Albrecht (Hg.), Hermann Gundert. Tagebuch aus Malabar 1837-1859, Ulm/Stuttgart 1983

Frenz, Albrecht (Hg.), Hermann Gundert. Schriften und Berichte aus Malabar, Ulm/Stuttgart 1983

Frenz, Albrecht (Hg.), Hermann Gundert. Calwer Tagebuch 1859-1893, Ulm/Stuttgart 1986

Frenz, Albrecht (Hg.), Hermann Gundert. Quellen zu seinem Leben und Werk, Ulm 1991

Zacharia,Scaria/Frenz, Albrecht (Hg.), Hermann Gundert Series (HGS):
Band 1, Zacharia, Scaria, A Malayalam and English Dictionary, Kottayam 1991
Band 2, Zacharia, Scaria, Grammatische Werke, Kottayam 1991
Band 3.1, Frenz, Albrecht/Zacharia, Scaria, Hermann Gundert
Quellen zu seinem Leben und Werk, Ulm 1991
Band 3.2, Frenz, Albrecht/Zacharia, Scaria, Dr. Hermann Gundert
and Malayalam Language, Kottayam 1993
Band 3.3, Frenz, Albrecht/Zacharia, Scaria, Dr. Hermann Gundert
(Biography, Malayalam), Kottayam 1991
Band 4, Zacharia, Scaria, Geschichtliche und literarische Werke, Kottayam 1992
Band 5, Zacharia, Scaria, Christliche Literatur (Vajra Suji), Kottayam 1992
Band 6, Zacharia, Scaria, Malayalam-Bibel, Kottayam 1992

Frenz, Albrecht (Hg.), Hermann Gundert. Brücke zwischen Indien und Europa, Ulm 1993

Frenz, Albrecht (Hg.), Hermann Gundert. Dialog der Kulturen, Ulm 1993

Frenz, Albrecht (Hg.), Hermann Gundert. Reise nach Malabar, Ulm 1998

Frenz, Albrecht (Hg.), Hermann Gundert. Monolog – Dialog – Trialog
Stuttgart 2014, ISBN/GTIN 978-3-923107-63-6

Frenz, Albrecht, Hermann Gundert. Monologue - Dialogue - Trialogue
English translation by Katrin Binder, Stuttgart 2014